TEIL 1
TEIL 2
Ich spiele gerade DOOM an der Masterconsole, als irgend so ein
gedankenloser Bastard anruft. Ich hebe ab.
TEIL 3
Mein Job ist so eine Hetze, daß ich kaum dazu komme, kurz mal ins
Kino zu fahren, bevor die Leute ihre Ausdrucke abholen kommen. Die
Queue ist sowieso viel zu voll, als daß ich alles rechtzeitig
ausgedrucken (und sortieren) könnte. Also kille ich alle die kleineren
Jobs bis auf zwei, und die lassen sich im Nu sortieren.
TEIL 4
Es ist Donnerstag und ich bin guter Laune. Es ist Zahltag. Ich denke,
ein paar Anrufe können nicht schaden. Also lege ich den Hörer zurück
auf die Gabel. Es läutet.
TEIL 5
Die dauernde Langeweile bringt mich um. Also lese ich User email, um
die Zeit tot zu schlagen. Allerdings muss ich zugeben, daß die heutige
Lieferung auch nur zum Gähnen anregt. Nicht eine wirklich gute
Nachricht darunter. Nicht mal versteckte Andeutungen über Fummeln
im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts. Statt dessen muss ich mir den
üblichen Sch... zu Gemüte führen: Welcher Verwandte wann welche
Art von Operation über sich ergehen lassen muss, und welche es nicht
überlebt haben, wie das Wetter auf der anderen Seite des Erdballs ist -
die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen!
Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persöhnliche Party-
Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders
in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache
eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit
meiner Videocamera. Könnte was werden!
TEIL 6
Es ist Freitag; also gehe ich früher zur Arbeit, sogar noch vor dem
Mittagessen. Das Telefon klingelt. Sch.... TEIL 7
Ich finde, so ein verantwortungsvoller Posten wie meiner sollte mit
einer angemessenen Mittagspause vergütet werden. Für die paar
Stunden setze ich den Hausmeister auf meinen Stuhl, damit es nicht so
aussieht, als wir unsere Pflichten vernachlässigen würden
(sic!). Ich erkläre ihm, daß er nur darauf achten muss, daß der
Hörer nicht aus Versehen auf der Gabel landet. Er ist einverstanden
und ich verschwinde.
"Wieviele Dateien sind in Ihren Account?" frage
ich.
TEIL 8
Ich sitze wie üblich an meiner Konsole. Ein Benutzer ruft an.
TEIL 9
Ich fahre zur Arbeit und klebe hinter diesem alten Trottel, der
klassische SLOW DRIVER FROM HELL. Sein Tacho hat bei 20 die rote Linie
und kommt ins Schlingern, wenn er die Kurven mit mehr als 5 nimmt. Ich
verbrauche ein halbes Kilowatt in meiner Hupe, aber sein
Hörgerät ist anscheinend auf Flüstern eingestellt. Keine
Chance vorbeizukommen!
TEIL 10
Grundverhaltensregeln für Dekane:
Ich soll als Experte in einer Vorlesung "Grundlagen Systemverwaltung"
auftreten; so steht es in der Einladung. Also überlasse ich den
Kontrollraum den bewährten Händen von Sam, dem Hausmeister,
und gehe hinüber.
TEIL 11
Als der Krankenwagen das Ende des Tunnels erreichte, verschwand
die Dunkelheit wieder. Vielleicht war ich doch nicht so schwer verletzt.
Vielleicht aber doch! Egal, jemand würde dafür bezahl..
TEIL 12
Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen. Also klemme ich
ein Stück Kupferschiene über die drei Phasen der
Hauptversorgung und werfe den Hebel herum. Als die Hauptsicherungen
herauspfeifen,wird es dunkel, und endlich mal wird es still im
Rechnerraum.
TEIL 13
Mein neues Login Skript nimmt allmählich Formen an. Tatsache, es ist
fast schon idiotensicher. Zum Beispiel erscheint beim Login folgender
Prompt auf dem Bildschirm:
"Hallo?", sage ich.
"Wer ist da?", sagt der.
"Ich denke, ich bin's", sage ich. Wozu habe ich den Kurs 'Erfolgreiches
Verhandeln am Telefon' absolviert?
"Wer ich?"
"Wird das ein Östereicherwitz?" sage ich,
während ich mit allen verfügbaren Fingern auf den Feind
ballere.
ZU SPÄT. YOU GOT KILLED. GAME OVER.
Meine Laune sinkt von minus zweihundert auf den absoluten Nullpunkt.
"Was kann ich für Sie tun?" Stimme so weich
wie Kaschmirwolle - (ein untrügliches Warnzeichen!)
"Ähm, Ich hätte gerne gewusst, ob wir ein
bestimmtes Software-Paket haben..."
"Was für eine Software ist das?"
"Ähm, sie heisst B-A-S-I-C."
klickerdiklackerdiklick rm basic.exe
"Hm, tut mir leid, haben wir nicht. Wir hatten das mal..."
"Oh. Na gut, die andere Sache, weswegen ich anrufe:
könnte man alle Daten in meinem Account auf Band kopieren. Dann
hätte ich eine Sicherheitskopie zu Hause, im Falle eines Falles..."
"Im Falle eines Falles?"
"Ja, falls sie zum Beispiel aus Versehen gelöscht
werden oder so ..."
"GELÖSCHT! Ah, machen Sie sich da mal keine Sorgen.
Wir machen doch Backups."
(Ich bin so ein Schwein!)
"Wie ist Ihr Username?"
Er gibt mir seinen Usernamen. Nicht sehr helle!
klickediklackediklick
"Aber Sie haben doch gar keine Daten in Ihrem Account!
" sage ich, baffes Erstaunen in der wohlmodulierten Stimme.
"Natürlich habe ich Daten. Sie schauen sicher an
der falschen Stelle!"
klickediklackediklick
"Ah, stimmt. Ich war falsch", sage ich.
Hat er nicht gerade 'typisch' in seinen Bart gemurmelt? Mein lieber
Freund...
"Ich wollte sagen: DER USERNAME EXISTIERT GAR NICHT."
"Was?" Wimmern in der Leitung. "
Aber da muss einer sein. Ich habe doch erst heute morgen darin
gearbeitet!"
"Aha! Da liegt das Problem. Sehen Sie, da war ein Virus
im System heute morgen. Der ... äh ... Leonardo da Vinci Virus.
Löscht alle User, die gerade eingeloggt sind, wenn er losbricht.
"
"Das kann nicht sein. Meine Freundin war auch eingeloggt,
und jetzt bin ich gerade in ihrem Account!"
"Und welcher ist das?"
ER SAGT ES MIR. MANCHE LEUTE LERNEN'S NIE.
"Ah, ja. Den Account konnten wir gerade noch retten."
klickediklackediklick
"Sie hat nur alle Daten verloren."
"Aber..."
"Keine Sorge. Wir haben doch alles auf Backup."
"Oh, Gott sei Dank!!!"
"Auf Lochstreifen-Backup! Haben Sie einen Leser
dafür? Wir nicht! Viel Spass!!!"
Ich bin so ein Hund!
Nach dem Film (einer von diesen Endlos-Bertoluccis, wo der Held
nach drei Stunden endlich in grandiosen Visionen zugrunde geht),
komme ich zurück, um die Ausdrucke auszugeben.
Etwa fünfzig Leute warten draussen und ich habe zwei Ausdrucke.
Stimmt ziemlich gut mit meinem Durchschnitt überein. Andererseits
hätte ich mehr killen sollen. Egal, ich lasse die beiden Ausdrucke
elegant auf den Tisch gleiten, drehe mich um und gehe betont langsam
zurück in meinen Glaskasten. Dabei halte ich deutlich sichtbar das
Clipboard in der Hand, das mit den grossen roten Buchstaben
'ACCOUNTS TO REMOVE' auf der Rückseite. Keiner sagt ein Wort.
Wie immer.
Ich sitze wieder gemütlich im Operator Sessel und beobachte den
Überwachungs-Monitor, der zufällig mit dem Videoplayer aus der
medizinischen Optik verbunden ist (zur Reparatur hier; geschätzter
Termin der Rücklieferung irgendwann in 2001). Plötzlich klingelte das
Telefon. Das muss heute schon das zweite Mal sein, und es beginnt mir
auf die Nerven zu gehen.
"Ja?" sage ich und halte das Bild an.
"Ich hab' aus Versehen meinen Lebenslauf gelöscht", sagt die Stimme
am anderen Ende.
"Tatsächlich? Wie war Ihr Username?"
Er sagt es mir. Sch...., wie langweilig.
"Ah, nein. Nicht Sie haben ihn gelöscht - ich war's.
"
"Was?"
"Ich hab' ihn gelöscht! Er war voll mit Sch...! In
keinem einzigen Fach was Besseres als 'ne zwei!"
"Häh?"
"Und der Mist mit dem Austauschstudium - das war Ihre
Freundin, und wir beide wissen das!"
"Häh??"
"Na, Ihre Studienangaben. Ich hab's nachgeprüft.
Sie haben gelogen."
"Wie haben Sie ..." Es klickt deutlich
hörbar. "Oh, nein. SIE sind's! Der BASTARD
OPERATOR FROM HELL!"
"Leibhaftig, am Telephon und in Ihrem Account. Es
wäre wirklich besser gewesen, nicht anzurufen, wissen Sie. Vor
allem hätten Sie Ihren Usernamen lieber für sich behalten
sollen..."
klickediklackediklick
"Tja, und dann hätten Sie dem System Manager keine
so böse mail schicken dürfen. Eine mail, die ausdrückt,
was Sie von ihm halten - in hübschen Bildern!"
"Ich habe keine ..."
klickediklackediklick
"So? Haben Sie nicht? Wer kann das noch sagen heutzutage?
Keine Sorge, es bald wird alles vorüber sein...."
klickediklackediklick
" ... noch den Usernamen zurückändern ..."
klickediklackediklick
"B-b-b-b", blubbert er, wie eine desynchronisierte PDP-11.
"Leben Sie wohl", sage ich überfreundlich.
"Ich denke, Sie sollten jetzt besser packen. Viel Spass
beim Neubeginn."
Ich lege auf.
Zwei Sekunden später läutet das rote Telefon. Es ist der Boss.
Er knurrt den Usernamen - von wem wohl? - und etwas über eine
schweinische mail.
"Sie wissen, was Sie zu tun haben ..." mit den
Punkten und allem.
Später, im Abrechnungscomputer der Städtischen
Elektrizitätswerke, während ich die nächste Rechnung des
armen Schweins um ein paar Nullen korrigiere, wundere ich mich wieder
einmal über diesen hartnäckigen und unglaublichen Mangel an
Urteilsvermögen - welche Blödheit kosmischen Ausmasses treibt
sie immer wieder dazu, bei mir anzurufen. Noch später, als ich im
FBI Computer sein Photo von der WWW Page in die Gesuchtenliste kopiere
(die mit dem Label 'Dringend gesucht, bewaffnet und gefährlich,
sofort schiessen'), komme ich zu dem Schluss, daß ich es wohl niemals
wissen werde - aber das Leben geht weiter.
Ein paar Stunden später sehe ich die GSG 9 sein Apartment umstellen,
und mir wird klar: für ein paar von uns wird es wohl doch nicht
weitergehen. Aber morgen ist ein neuer Tag.
"Seit Stunden versuche ich Sie zu erreichen!"
schreit eine Stimme am anderen Ende.
"Nanana, STUNDEN können's gar nicht gewesen sein
", sage ich, während ich 'Blade Runner' ins Cover
zurückstecke und mir die Rückseite anschaue.
"Allenfalls 114 Minuten. Ich hatte einen langen
Chat mit dem grossen Boss. Versuchte, bessere Technik für unsere
Benutzer herauszuschlagen."
Eins, zwei, drei ...
"Oh, tut mir leid."
"Macht nix. Ich bin nicht nachtragend."
Ich nehme mir vor, sein Passwort in den nächsten Tagen etwas
abzuändern, in etwas, worauf er nicht so schnell kommen dürfte.
"Ähm, ich weiss nicht, wie ich ein File umbennen
kann", sagt er.
Oh, Gott... Moment, es ist ja Zahltag, nicht? Also bin ich guter Laune.
"Aber klar. Tippen Sie nur 'rm' und den Filenamen."
"Vielen Dank."
"Keine Ursache."
(Jetzt bin WIRKLICH guter Laune. Vielleicht sollte ich heute das
Skript fertigschreiben, das das Abspeichern zu bestimmten, zufällig
gewählten Zeiten unmöglich macht.)
Das Telephon läutet wieder.
"Hallo?"
"Hallo, ebenfalls", sage ich.
"Ist das der Kontrollraum?"
"Aber klar doch", sage ich, zuckersüss.
"Könnten Sie mir bitte meine Ausdrucke
herausbringen? Ich brauche sie dringend, und der Ausdruck müsste
schon seit fünf Minuten zu Ende sein."
"Ihr Username?" frage ich.
Er gibt ihn mir, und ich notiere ihn für später.
"Kein Problem. Moment.", sage ich und gehe
rüber zu den Druckern.
Ein RIESEN Haufen von Ausdrucken liegt auf dem Boden. Und,
tatsächlich, sein Dokument liegt ganz oben auf. Ich breite es
über dem Haufen aus und sprühe grosszügig unser
Spezialfleckenwasser in die Gegend. Dann fahre ich den schweren
Bandwagen ein paar Mal darüber und klemme es zum krönenden
Abschluss vier, fünf Mal in die schwere Safetüre ein, wo wir
die Backup-Bänder aufbewahren sollten. Hübsch.
"Hier sind Ihre Ausdrucke", sage ich,
"Tut mir leid, daß es solange gedauert hat. Wir haben
ein paar kleinere Probleme mit dem Drucker."
Ein Blick und er macht sich fast in die Hose.
"Oh, Gott! Kann ich es nochmal drucken?" fragt
er besorgt.
"Aber klar doch", sage ich.
"Aber, wie gesagt, unser Printer ist nicht
besonders gut drauf heute."
"Äh, kann ich es auf dem Laser drucken -
funktioniert der?"
"Natürlich, aber das kostet eine Kleinigkeit",
sage ich, Mitgefühl verströmend.
"Egal, was es kostet! Das ist hyper-dringend!"
Ich schleiche zurück in den Druckerraum und suche die Toner-Kassette,
die wir für spezielle Fälle aufbewaren - die mit den dicken
schwarzen Streifen in der Mitte und den blassen Rändern. Ich habe
auch ziemlich lange gebraucht, bis sie so gut funktionierte. Der
Ausdruck kommt raus und ich bringe ihn sofort nach vorne. Bloss
nichts verpassen.
"W-w-w-was ist den jetzt passiert", winselt mich
der Geck an.
Gut, daß ich den Usernamen notiert habe - Geistige Folter ist vielleicht
doch etwas, wofür ich mich längerfristig begeistern
könnte.
"Äh, nichts. Ich meine, klar: es ist nicht perfekt.
Aber der Toner hat auch schon 47 Tausend Seiten drauf und wurde 17mal
nachgefüllt. Ich finde, es ist noch gut gegen das, was wir sonst so
bekommen."
Der Geck zahlt und beginnt zu wimmern.
"Na, kommen Sie. Kein Grund zum Heulen. Haben Sie die
Arbeit auf Disketten?"
Er gibt mir eine kleine Plastikbox mit Disketten. Ich hüpfe schnell
rein und lege sie kurz auf den Lösch-Magneten. Ich gehe wieder
hinaus.
"Tut mir so leid, aber mir fällt gerade ein, daß
unser Lesegerät hinüber ist. Sie müssen damit zu dem
Druckerraum U am anderen Ende des Campus - kennen Sie den? - und es dort
ausdrucken. Dort sollte es klappen. Die haben gestern einen neuen Toner
bekommen."
"SUPER!"
"Gern geschehen. Und denken Sie daran: immer die Disketten
hoch über den Kopf halten. Das Erdmagnetfeld ist heute wieder extrem
stark."
"Häh???"
"Keinen langen Reden. Machen Sie's."
Er marschiert los, die Disketten hoch über dem Kopf.
Manchmal hasse ich mich selbst.
Was steht als nächstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der
die Vertrauensärzte der Uni die Krankheitsgeschichten der Angestellten
speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis'
und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse.
Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den Account des
Oberarztes und füge dort folgenden Eintrag in sein online Tagebuch
ein: "DM 500, Med. Daten an Zeitung"
Sollte ausreichen!
Ich schichte ein paar Bänder aus den Regalen auf den Laborwagen und
zurück, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsächlich verwenden.
Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten,
verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehört habe. Als ich ihn
finde, starte ich einen Batch unter einem User-Account um die Bildchen
runter zu laden - natürlich auf seine Kosten. Gerade noch rechtzeitig
fällt mir ein, ob auch genug Speicherplatz für die Bilder frei ist. Um
ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht
direkt mit dem Batch zu tun haben. Zum Beispiel die ganzen LaTeX
Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel
zu gross geworden.
Zurück in User email schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat.
Naaah. Schliesslich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung'
und 'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch-
Newsgroup.
Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg! In der
nächsten Sekunde läutet schon das Telefon.
"Hallo?" sage ich, wütend - der Coyote hat
den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt!
"Was ist mit dem Comp..."
Ich hänge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann,
reisse ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung
und schliesse fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner
war wieder schneller!
Inzwischen fangen überall die Warner an zu jaulen, weil die
Hauptplattenspeicher runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und
mein Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung
verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle.
Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die
Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen
und endlich ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den
Hockeyschläger aus dem Spind und übe ein bisschen
Einer-gegen-die-Wand. Durch das Glasfenster schaut das aus, als ob ich
wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie üblich.
10 Minuten später ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet
zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Level, zum Teufel damit! Ich
habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV
kommen noch mehr Cartoons!
Das andere Telefon läutet, ein User (welch Überraschung!).
"Kontrollraum", sage ich, so richtig im Stress.
"Wann wird der Computer..."
Ich lege auf.
Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der
unablässig Bannflüche schleudert, steht zwischen mir und dem
letzten Bild. Gleich bin ich drin!
Das Telefon läutet schon wieder! Mit einem raschen Hieb schalte auf
Freisprechen.
"Kontrollraum", brülle ich, voll involviert.
"Ich hab' meine Files gelöscht. Meine Daten sind
weg", winselt ein User über den Lautsprecher.
"Aber sicher doch", sage ich, weil ich mich nicht
erinnern kann. Diese Bemerkung genügt, um mich den Bruchteil einer
Sekunde abzulenken. Der Wizard nagelt mich in den Boden und schmeisst
mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER.
"Wie war Ihr Username?" sage ich mit Honig
gesalbter Stimme.
Er sagt es mir. Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war
ich es nicht mal!
Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory
nach /dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf
sein 'news' Kommando, welches ein scheussliches kleines Skript in seinem
früheren Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr
ganz politisch korrekte email an die Beauftragte für
Gleichberechtigungsfragen der Uni und löscht sich anschliessend
selbst.
Wohl bekomm's!
Ich blättere den Ausredenkalender um. "Sonneneruptionen" steht da.
Ok, darüber muss ich erst ein bisschen recherchieren. Zwei Minuten
später bin ich fit für den ersten Anruf.
"Hallo?" sage ich.
"WO SIND SIE GEWESEN! ICH HABE SCHON DEN GANZEN
VORMITTAG ANGERUFEN UND NIEMAND GEHT RAN!"
Ich hasse es, wenn sie mich schon am frühen Morgen anbrüllen.
Es deprimiert mich irgendwie. Sie wissen, was ich meine ...
"Äh, ja. Tja, wir hatten heute morgen auch wieder
extrem starke Sonnenaktivität. Das kann böse Auswirkungen auf
die Kommunikationsleitungen haben...", sage ich, zuckersüss.
"Häh? Aber sonst habe ich doch jeden erreicht?!"
"Tja, das ist durchaus möglich. Die Auswirkungen
erhöhter Sonnenaktivität sind ziemlich un-vor-her-seh-bar.
Letzte Woche hatten wir sogar den Fall, daß ein paar Files einfach vor
den Augen ihres Besitzers verschwunden sind, während er noch damit
gearbeitet hat ..."
"Wirklich?"
"Kein Sch...! Äh, wollen Sie, daß ich Ihren
Account schnell checke?"
"Äh, ja. Ich hab ein paar wichtige Dateien drin..."
"Ok, wie war noch Ihr Username ..."
Er sagt ihn mir. Ehrlich, eine Mücke mit einem Sprengsatz zu
erledigen, ist schwieriger. Mit einem atomaren Sprengsatz. Mit AWAC
Unterstützung. Sch....!
(Ich verzichte ab jetzt auf den klickediklackediklick Teil, ok?)
Zuerst die Bank. Ich lasse 20 Mark in Zehnpfenningstücke wechseln
und frage dann nach meinem Kontostand. Während der Angestellte
noch tippt, ziehe ich unauffällig den Netzstecker von seinem
Endgerät. Es stirbt natürlich und ich sage, daß ich in Eile
bin und daß ich gerne den Manager von diesem Sauladen sehen möchte.
Er walzt durch die Tür wie ein gut gefüttertes Riesenbaby und
fragt mich, ob es ein Problem gäbe. Ich sage, alles, was ich wolle,
sei mein Kontostand und ob das denn zuviel verlangt sei und daß ich
immer noch in Eile sei. Dann kreuze ich die Finger. JA! Er findet das
herabhängende Netzkabel, steckt es wieder rein und loggt sich ein,
MIT DEM MANAGER ACCOUNT.
Ich stolpere wie zufällig an den Schalter und stosse aus Versehen
200 Zehnpfenningstücke hinunter. Der Manager beachtet mich nicht,
aber alle anderen tauchen nach den Münzen. Ich beobachte
ungestört, wie er sein Passwort eintippt - mit der halsbrecherischen
Geschwindigkeit von einem Zeichen pro Sekunde! Gar kein Problem, der
Hardliner macht es mir sogar noch leichter, indem er ein semantisches
Wort als Passwort gewählt hat: ZINSEN. So ein Scherzkeks! Ich
verziehe keinen Gesichtsmuskel. Nicht ganz einfach, wenn ich an meine
überschuldete Hypothek denke. Heute Nacht werde ich da einiges
richtigstellen...
Ein Benutzer, den ich noch vom D(eletion)-Day '94 kenne, nähert sich,
um mich anzuquatschen. Sogar der Manager schüttelt abwehrend den
Kopf, aber es ist zu spät. Er hält direkt vor mir und richtet
das Wort an mich!
"Ähm, Entschuldigung. Könnten Sie mir einen
Tip geben, welchen Computer ich am besten für meine Diplomarbeit
kaufe?"
?!
Genau.
"Schon mal vom neuen Pentium gehört?" frage
ich.
"Ja..."
"Meiden Sie den wie die Pest! Kaum jemand weiss das, aber
man handelt sich fürchterliche Probleme ein, wenn man ein
Betriebssystem so schnell laufen lässt. Manche von den Kisten
machen über 100 Millionen obstructions per second. Sie können
sich ja vorstellen, daß da eine solch billige Kiste aus dem Takt kommen
muss, nicht? Die Katastrophe ist praktisch vorprogrammiert!"
"Oh!"
"Nehmen Sie lieber was Sicheres und Bewährtes. Ein ZX81 mit dem
doppelten Cassettenlaufwerk, wenn Sie das kriegen können. Im
Vertrauen: Die sind nicht mehr leicht zu bekommen, weil alle Leute, die
wirklich was davon verstehen, natürlich nur bewährte Technik kaufen.
Kaufen Sie bloss keine Harddisk dazu. Sie haben doch sicher schon
gehört, wie oft die kaputtgehen? Cassetten dagegen halten ewig!"
"Danke, super!"
"Keine Ursache! Wie war doch noch gleich Ihr Username?"
Er sagt ihn mir. Gerade noch rechtzeitig für D-Day 96. Man sollte
meinen, daß sie's irgendwann lernen!
Zurück an meinem Arbeitsplatz finde ich den Hausmeister -
eingeschlafen vor dem Terminal. Ich frage ihn, ob er nicht lieber hier
arbeiten möchte, aber er lehnt dankend ab. Hier hat er nicht die
Möglichkeit, Leute in der Toilette aufzuschrecken...
Ich lege den Hörer zurück auf die Gabel und sofort klingelt es. Ich
hasse es, wenn es das tut. Ich brauche immer eine Ewigkeit, die
Earphones nachher wieder reinzupfriemeln.
Diesmal ist es anders. Die heisseste Mieze auf dem Campus ist dran -
und sie hat ein Computerproblem! Ich liebe solche Augenblicke. Sie
machen den Job erst dazu, was er ist.
"Wie ist Ihr Username?" frage ich - als ob ich es
nicht auswendig wüsste.
So schnell ich kann überfliege ich ihre persönliche email -
das meiste nur todlangweiliges Zeug - und grepe die gesamte User email
nach ihrem Usernamen. Nichts - vortrefflich!
"Wie kann ich Ihnen helfen?" flöte ich
charmant.
"Ich kann mein Dokument nicht abspeichern. Es sagt
etwas mit zuwenig Speicherplatz."
"Das werden wir gleich haben", sage ich und
lösche alle anderen Files auf ihrer Platte - ausser den ihrigen
natürlich.
"Jetzt sollte alles funktionieren..."
"Oh, vielen, vielen Dank", haucht sie ins
Mikrophon.
Ich notiere mir, daß ich morgen wieder etwas an ihren Account
herumdoktere.
Das Telephon läutet, fast bevor ich es wieder auf der Gabel habe.
"Meine Daten sind alle weg!" schreit jemand am
anderen Ende.
"Wann war das?" frage ich.
"Gerade eben...", sagt er schluchzend.
"Aha. Tja, Kopf hoch. Es sind noch drei Tage bis zum
Semesterende. Wenn Sie Tag und Nacht dran bleiben, werden Sie schon noch
eine Drei minus schaffen:"
Er schluchzt noch zwei-, dreimal leise und legt auf. Schwächling!
Das Telephon läutet schon wieder!
"Der Bildschirm an meinem PC ist so schwach. Ich kann
kaum die Buchstaben erkennen. Soll ich den Helligkeitsregler hochdrehen?"
"NEIN!" schreie ich. "Fassen Sie
den Knopf nicht an! Haben Sie auch nur die leiseste Ahnung, was da
für eine Strahlung 'rauskommt, wenn Sie den Knopf ganz zum Anschlag
drehen?!"
"Also ich .." sagt sie verunsichert.
"HOEREN SIE AUF MEINEN RAT!" sage ich.
"Es gibt nur einen SICHEREN WEG, ein schwaches Display
aufzumöbeln, und das ist: Nadelenergieimpulse in die Treiber geben!"
Die Worte 'Nadelenergieimpulse ' und 'Treiber' sind zuviel für sie.
Wenn Leute solche Ausdrücke hören, gehen sie automatisch in
'dummy mode' und machen ALLES, was ich sage. Ich könnte ihr jetzt
vorschlagen, nackt, nur mit einem Netzkabel bekleidet über den
Campus zu sprinten und sie würde es wahrscheinlich
machen...Hmmmm.
"Haben Sie zufällig ein übriges Netzkabel
rumliegen?"
"Nein..."
"Oh, naja. Dann müssen wir das mit den Nadelimpulsen
probieren... Also, Sie schalten jetzt so schnell Sie können Ihren
PC ein und aus. Einfach den Kippschalter hin und herflippen, verstehen
Sie? Etwa dreissig mal."
"Soll ich vorher meine Disketten 'rausnehmen?"
"NEIN! Wollen Sie alle Ihre Daten verlieren?!"
"Oh. Nein, natürlich nicht. Also..."
Ich lausche gespannt.
..klick klack klick klack klick klack klick klack klick klack kl BUMM!
Erstaunlich! 27 oder 28. Normalerweise macht sich das Netzteil schon
nach dem achten oder neunten Mal in die Hose!
"MEIN COMPUTER! ER RAUCHT!" schreit sie an
anderen Ende.
"Wirklich?? Da muss ein Fehler im Netzteil gewesen sein!
Gut, daß wir das geklärt haben! Haben Sie noch Garantie auf die
Maschine?"
"NEIN!"
"Du liebe Güte! Was für ein Pech! Tja, dann
hilft nur reparieren lassen. Haben Sie wenigstens Ihre Daten gesichert?"
"Ja, ins System, gestern erst. Aber die ganze Arbeit
von heute morgen ist futsch!"
"Sie Ärmste! Wie war Ihr Username? Ich will gleich
mal checken, ob Ihre Backups ok sind..."
Sie sagt ihn mir...
"Ähm, also, etwa 20 in meiner Doktorarbeit, circa
10 mit den Daten dazu, und noch etwa 20 für das Buch, das ich
gerade herausgebe."
"Hm. Ich glaube, wir schauen erst mal, was noch zu
retten ist. Also, da sind noch zwei Files lesbar, .cshrc und .login ..."
"AAAAAAAAAAAaaaaaaaaaarrrrrrrrrggggggghhhhhhhh!!!!!!!"
Er schluchzt leise ins Mikrophon - mir kommen auch die Tränen!
"Was mach' ich nur?" schnüffelt er.
"Ok, haben Sie irgendwas davon auf Floppy gesichert?"
"Schon, aber die sind schon Wochen alt!"
Ich spiele mit dem Schalter des Floppy-Löschers.
"Ok", sage ich, "wie wär's,
ich komme kurz rüber und lade die Backups in Ihren Account, damit
Sie pronto weiterarbeiten können?"
"Das wäre toll", wimmert er,
"aber die Floppys habe ich zu Hause. Ich
fürchte, die muss ich heut' Nacht selber runterladen."
"Gut. Aber denken Sie daran, was ich vorhin gesagt habe:
Sonneneruption sind Gift für Disketten und Maschinen. Sie müssen
Ihre Floppys unbedingt vor der gegenwärtigen Sonnenaktivität
schützen. Sonst verlieren Sie noch alle Daten."
"Wie mach ich das? Sie in Alufolie wickeln?"
"UM GOTTES WILLEN, NEIN! Alufolie ist das Schlimmste! Sie
wissen doch was mit Alufolie im Microwellenherd passiert, oder?!"
"Doch.."
"Dann verwenden Sie's auch nicht! Es gibt nur eine
sichere Methode, Disketten erfolgreich zu schützen..."
"Und wie?"
"MAGNETISCHE FELDER! Packen Sie Ihre Floppys in einen
Kopfkissenbezug gefüllt mit möglichst vielen Magneten. Sie
können zum Beispiel die von Ihrem Kühlschrank nehmen. Sie
wissen schon, mit denen Sie ihre Zettel dort festpinnen - Solarpartikel
hassen magnetische Felder."
"Wow. Danke."
"Gern geschehen. Es ist nur mein Job..."
Sch...., ich mache Fortschritte.
"Hallo, Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich
Ihnen helfen?" sage ich.
"Ich komme nicht in meinen Account" nuschelt es am anderen Ende.
"Wie lautet bitte Ihr Username?" frage ich.
Sie geben mir ihren Usernamen. Ich schaue in ihren Account.
"Kein Problem, da war nur ein nicht-ausführbares
login file. Ich hab's richtig gestellt. Jetzt sollten Sie ohne Probleme
reinkommen:"
"Danke."
"Kein Ursache. Schönen Tag noch!"
HÄHH?! fragen Sie sich jetzt. Ist der BASTARD OPERATOR FROM HELL
endlich zum Guten bekehrt worden? Hat er aufgegeben?? REIF FUER DIE
KLAPPSMUEHLE??? Naaah. Der BASTARD OPERATOR FROM HELL wird ab heute
überwacht. Alle Aktionen im Mainframe werden automatisch
protokolliert. UND WENN DAS PASSIERT, werde ich normalerweise auch
abgehört! Also muss ich hübsch brav sein, bis ich die Bugs
entdeckt habe. Sollte nicht allzu lange dauern - vertrauen Sie mir!
Ah. Da haben wir schon eins. Im Telefonhörer, klar. Aber der Boss
ist einer von der witzigen Sorte. Ich wette, da sind noch mehr. Ahja,
ein anderer unter dem Telefon und ein dritter in meinem Keyboard. Zeit
für eine kleine Kaffeeschlacht. Drei auf einmal.... hmmm. Ich
bringe mal besser die ganze Kanne und warte auf Zeugen. Der System
Manager kommt herein.
"Wo bleibt der Bericht, den ich gedruckt habe?"
fragt er mit saurer Miene - er ärgert sich offensichtlich, daß ich
mich am Telefon noch nicht ans Messer geliefert habe. Widersacher
identifiziert!
Wie der Direktor der "BASTARD OPERATOR SCHOOL" (ich!) immer zu sagen
pflegt:
"Es gibt kein Problem das sich nicht lösen
lässt, indem man die Benutzerprozesse killt, alle ihre files
löscht, ihre Accounts sperrt und ihre tatsächlichen Einnahmen
dem Finanzamt zukommen lässt."
Ich ziehe den Ausdruck unter der Kaffeekanne hervor, wo ich plaziert
hatte und die Kanne ergiesst sich über Telephone und Keyboard. Aus
irgendeinem Grund standen beide übereinandergestapelt in der
Nähe.
"Uuuups!" sage ich. Entsetzen malt sich auf
meinem Gesicht.
Sein Gesicht sagt mir, daß ich richtig lag.
"Glauben Sie ja nicht, daß Sie damit davonkommen,
Simon", knurrt er und stampft hinaus.
Ich schalte den Ethernet Monitor ein und beobachte die Pakete, die aus
seinen PC kommen.
Ah. Ein Memo geht an den Laser im Büro des Direktors. Inhalt:
Beendigung meines Kontrakts, fristlos. Ich mache schnell ein paar
notwendige Änderungen an dem File, solange es im Spooldirectory
liegt und lasse es dann an seine ursprüngliche Adresse weitergehen.
Ich starte mein Programm 'endzeit', das -522 auf den PC knallt und der
Mainframe macht sich in die Hose. Später, beim Booten, entferne ich
das lästige Logging.
Als nächstes gehe ich in den Kabelraum und stecke meinen
Walkmankopfhörer in den freien RS232 Port aus dem Büro des
Direktors. Es ist erstaunlich, wie leicht man bugs ausstreuen kann,
wenn man weiss, wo die Datenleitungen laufen!
Direktor: "Sind Sie sicher?"
SysMgr: "ABSOLUT SICHER!"
Direktor: "Und Sie wollen es sich nicht nochmal
überlegen?"
SysMgr: "AUF KEINEN FALL!"
Direktor: "Nun gut, ich werde es sofort an die
Personalabteilung weiterfaxen..."
SysMgr: "HERVORRAGEND!"
Zwei Sekunden kommt der Systemmanager herein. Er lächelt. Es sieht
aus wie das Lächeln eines grossen, satten Haifischs.
"Tja, ich werde Sie vermissen, Simon...", beginnt,
noch ganz erfüllt von der eben geleisteten Entscheidung.
"Oh?" sage ich zuckersüss und heuchele
Neugier. "Wohin gehen Sie denn?"
"Nein, Simon", sagt er genussvoll,
"Sie gehen:"
"Eine BEFOERDERUNG!" sage ich.
"Sie haben endlich diesen Brief an den Direktor
geschickt, daß er ein gottverdammtes Arschloch ist und daß Sie
aufhören?"
"Nein..."
"Sind Sie sicher? Der ist aber viel besser als der
über meine Entlassung..."
"W..." Seine Pupillen weiten sich eine kleine
Idee.
Es ist, als ob man ein Walross mit dem Sofakissen erschlagen würde.
Er rast los, um das Fax zu stoppen. Nur, nachdem er gerade
gekündigt hat, klickediklackedi funktioniert sein card key
nicht mehr ...
Anfänger...
Das Telephon klingelt. Es ist derselbe wie vorhin.
"Ich komm' jetzt in meinen Account, aber ich hab'
keinen Speicherplatz mehr auf der Platte..."
"Moment, ich schau, was ich tun kann."
klickediklackedi
rm -r *
Ich memoriere sein Kennzeichen. Genau genommen tue ich das seit
fünfzehneinhalb Minuten sechzigmal in der Minute.
Mannomannomann...
Ich denke, da ist wieder mal ein Anruf in Flensburg fällig.
Vielleicht könnte man auch den Wagen als gestohlen registrieren.
Gestohlen von Waffenhändlern aus den vorderen Orient.
Gefährlich...
Endlich in der Arbeit blättere ich als erstes den Ausredenkalender
um.
"ELEKTROMAGNETISCHE STÖRSTRAHLUNG VON FUNKTIONSUNTÜCHTIGEN
SATELLITEN".
Klingt gut; vielleicht wird es doch noch ein netter Tag.
Ich logge mich als "FUCKYOU" ein (der Kummerkasten-Account für
die Benutzer) und rufe die mail auf. Drei Nachrichten sind drin. Die
erste hat 117 Zeilen, eine Plaudertasche offensichtlich.
Sch...., ich hasse das! Anstatt einfach zu sagen:
"Der und der Account braucht mehr Speicherplatz"
fangen sie an zu erzählen über was für einen Mist sie
für welchen idiotischen Dozenten zu forschen haben und daß es
schon gestern hätte fertig sein sollen, und daß sie's auch
geschafft hätten, aber dann hatte die Kusine dritten Grades
plötzlich einen Magendurchbruch und einen riesigen Blutverlust und
musste ins Krankenhaus gebracht werden... usw usw. Ich lösche die
Mail unbesehen.
Die zweite Mail stammt offensichtlich von jemandem, der nicht mit dem
Mailprogramm umgehen kann. Da ist nur der Header, aber keine Nachricht.
Ich antworte mit direktem Reply: "Keine Sorge, wir
kümmern uns darum, am nächsten Dienstag."
Hoffentlich war's was Wichtiges!
Die dritte Mail hebe ich mir für morgen auf. Samstag wäre ein
gar zu langweiliger Tag - sollte ich jemals am Samstag arbeiten
müssen! Das Telephon klingelt. Ich dachte, das hätte ich
'repariert'! Ich klemme mir den Hörer unters Kinn, damit ich
gleichzeitig die Pizza in die Mikrowelle schieben kann.
"Ja?", rufe ich hektisch.
"Irgendetwas stimmt nicht mit meiner Bootdisk. Ich kann
den Server nicht erreichen."
"Haben Sie das Laufwerk dabei?"
"Klar!"
Ich hole mir die Disk und stecke sie zusammen mit der Pizza in die
Mikrowelle. Fünf Minuten ULTRA-NUKE!
Sechs Minuten später ruft er wieder an.
"Es funktioniert immer noch nicht, aber jetzt
höre ich auch noch komische Geräusche aus dem Laufwerk und es
riecht irgendwie angebrannt."
Angebrannt? Ich untersuche den Boden meiner Pizza. Naaah, nix
angebrannt. Dem Jungen geht nur die Phantasie durch!
"Oh, Sch....", sage ich, " das
sind wieder diese Störstrahlungen von ausgemusterten Satelliten."
"Tatsächlich? Davon hab' ich auch schon
gehört..."
Wow!
"Aha! Tja, ich schätze, Sie müssen sich 'ne
neue Bootdisk zulegen..."
"Oh. Naja, macht auch nix. Die alte hätte es
sowieso nicht mehr lange gemacht. Danke."
"Keine Ursache. Und denken Sie immer daran, den
Virenchecker FDISK ab und zu laufen zu lassen, wenn Sie wichtige Daten
auf Ihrer Disk haben..."
"Werd' ich machen. Danke!"
"Alles klar - ist nur mein Job!"
Racing läuft viel zu langsam für einen erfahrenen Spieler;
also kille ich eben mal alle Database Prozesse, die sich den
Löwenanteil an CPU holen, und gebe Racing Priorität -10.
Besser, viel besser. Verdammt hart, so an der vordersten Front: Immer
nur Arbeit, Arbeit, Arbeit...
Ich gönne mir einen schnellen 2-Stunden-Snack in der Cafeteria. In
der Cafeteria sind immer alle ganz reizend zu mir. Zumindest seit es
mal diesen dummen Computerfehler gegeben hat, der ihre Küche als
Organ-Aufnahme-Station registrierte - ziemlich lästig!
Ich schnappe mir noch ein paar Cokes und Crackers und mach' mich auf den
Rückweg, diesmal durch die Anfänger Labs. Informatik, erstes
Semester. Ich schaue durch das Guckloch an der Tür: Ein ganzer
Hörsaal voller Frischlinge ohne Dozenten. Das kann nicht angehen!
Ich stosse energisch die Schwingtüre auf und marschiere zur Tafel.
"Es geht los, Herrschaften! Ich darf um Ruhe bitten.
Sie dahinten, ja Sie, Sie sorgen dafür, daß uns niemand
stört. Blockieren Sie einfach den Eingang. Wer zu spät kommt,
soll sich das für's nächste Mal merken.
Also, ich bin ihre Vertretung heute und wir wollen jetzt mal den
üblichen Kram, den Sie sonst machen beiseite lassen und uns
über ein paar fundamentale Befehle aus der Praxis unterhalten. Wir
beginnen mit einer der wichtigsten Funktionen überhaupt, dem
REMARK-Befehl, oder, wie er allen Kenner bekannt ist, rm *
..."
Ich hätte vielleicht doch besser Professor werden sollen - ich hab'
den richtigen Draht zu den jungen Leuten, wissen Sie...
(1). VERSTECKEN!
(2). Wenn sie dich finden, LÜGEN!!
Die Vorlesung läuft wie am Schnürchen. Gegen Ende
verkündet der Dozent, daß die Studenten "
nunmehr 10 Minuten Gelegenheit haben, einem Mann der Praxis, einem
richtigen Operator" Fragen zu stellen. Ich hole meinen Pad
und Stift heraus und sage:
"Bevor wir anfangen, folgender Vorschlag: Könnten
Sie bitte Ihren Usernamen nennen, bevor Sie eine Frage stellen. Auf
diese Weise kann ich Ihnen gewisse Probleme an konkreten Beispielen
erläutern. Das ist einfacher zu verstehen."
Der Dozent schluckt es - mit Senf und Catsup. Beispiele sind per default
gut. Sag niemals was gegen Beispiele an einer Uni!
"Ok, erste Frage. Sie da drüben..."
"Wie beurteilen Sie den Schutz von persönlichen
Daten auf einem Mehrbenutzersystem?"
"Wie war Ihr Username?"
"CMS1103."
kritzelkratzel
"Schutz von persönlichen Daten ... Hmmm. Ein
heisses Thema, wirklich. Sie denken zum Beispiel, wenn jemand Ihre
private mail liest, worin Sie sich mit Ihrem Therapeuten unterhalten?
Zum Beispiel, warum Sie sich vor Ihrer Frau immer im Schrank verstecken?"
"AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRGGGGGGGHHHHHH!!!!!"
"Oh. Das kam wohl nicht so gut an. Oder er musste
dringend weg. War vielleicht kein so gutes Beispiel. Nächste Frage,
bitte. Ja, Sie da hinten..."
"CMS1136. Ich würde gerne ..."
"Ah. 1136, der einzige User an der ganzen Uni, der in
alt.sex.buggery.by.sailors.in.mums.clothing aboniert ."
"Nur für rein wissenschaftliche Zwecke!"
"Natürlich! Für einen Wissenschaftler haben Sie
eine beträchtliche Posting-Statistik dort, finden Sie nicht?"
"GGGGGGAAAAAAAAGGGGGGGHHHHHH!!!!"
"Der nächste bitte..."
..
.
Zwei Minuten später sind wir allein im Hörsaal. Das ist eben
das Problem mit den heutigen jungen Leuten: Die wollen nichts mehr
lernen...
Ich gehe zurück zu meinem Kontrollraum und Sam ist schon wieder
auf der Konsole eingeschlafen. Ich glaube jetzt, er ist DOCH hinter
meinem Job her. So ein Einsatz...
Ich nehme mir vor, bei Gelegenheit ein paar notwendige Änderungen in
der Gehaltsdatenbank vorzunehmen. Man kann nie vorsichtig genug sein...
Kranken- und Unfallversicherung braucht Sam eigentlich nicht. Ich lege
den Hörer auf die Gabel - da erste Mal heute nachmittag - und sofort
fängt das Ding an zu rattern. ES REICHT! Um mein
Mittagsschläfchen zu retten, leite ich den Anschluss auf 110 um.
Das wird ihnen eine Lehre sein!
Ups, fast vergessen, den Ausredenkalender umzublättern.
"STATISCHE AUFLADUNG WEGEN NYLON UNTERWÄSCHE"
Naaah, viel zu plausibel - obwohl, ich könnte die Unterwäsche
von Fall zu Fall persönlich überprüfen... nee, lieber
nicht, weiss was dabei ans Tageslicht kommt. Ich blättere eins
weiter.
"Statische Aufladung durch Plastik-Rechenschieber"
Na, das ist doch mal was! Eine echte Herausforderung!
Ich hebe die Telefonumleitung auf und plaziere dann den Papierkorb
unter dem Druckerauswurf - endlich eine technisch fortgeschrittene
Lösung! Während ich noch mein Werk bewundere, läutet es.
Das könnte der grosse Wurf werden!
"Hallo?"
"Hallo, ähm, wie kann ich mein File auf
Rechtschreibfehler prüfen?"
"Ganz einfach. Tippen Sie spell und den
Filenamen."
"Danke."
Ich bin wieder mal höllisch hilfsbereit heute morgen. Vor allem
weil ich weiss, daß meine spezielle Version von spell
Fehler erzeugt, statt sie zu beseitigen. Aus 'Freund' wird 'Fruend' und
umgekehrt. Ein Augenschmaus!
Das Telefon klingelt - sie sind's wieder.
"Irgendetwas stimmt nicht mit dem 'spell' Programm."
"Wie kommen Sie denn da drauf?"
"Weil mein File plötzlich voll mit Fehlern ist!"
"Hm, das klingt nicht gerade nach 'spell'. Sind Sie
über Ihren PC eingeloggt?"
"Ja, aber ich ..."
"Bitte, überlassen Sie die technische Diagnose mir!
Also, ist da irgendwo ein Rechenschieber auf oder in Ihrem Schreibtisch?"
"Ähm..." klapper "
...ja, aber..."
"Aha. Haben wir's schon. Sie haben eine statische
Aufladung auf Ihrer Festplatte, verursacht von den wechselnden
elektrostatischen Feldern, die der Rechenschieber erzeugt - Sie wissen
schon: so, wie er kleine Papierfizzel anzieht, wenn sie ihn an Ihrem
Pullover reiben..."
DUMMY MODE ON
"Oh. Was kann man da machen?"
"Sie wissen doch, wie Sie solche lästigen
Papierfizzel von Ihrem Rechenschieber weg bekommen? Genau, Sie schlagen
damit auf die Tischkante, bis die elektrischen Felder sich im
Erdmagnetfeld auflösen. Machen Sie das gleiche mit Ihrem PC. Sagen
wir, zwanzig mal - heben Sie ihn etwa dreissig Zentimeter über den
Tisch und lassen ihn fallen."
"Ah, gut. Bleiben Sie kurz dran?"
"Sicher."
Das würde ich nicht mal für die Simpsons verpassen!
polter
polter
polter klirr
"Äh, hallo? Der Schirm ist plötzlich dunkel
geworden..."
"Das ist ganz normal, das macht er immer; soll er sogar.
Machen Sie weiter. Und wenn Sie mit dem PC fertig sind, machen Sie
sicherheitshalber das Gleiche auch noch mit dem Schirm. Manchmal breitet
sich die Aufladung über die Kabel bis in den Schirm aus."
polter
polter
polter schepper
..
Ich lege auf. Später gehe ich raus in den öffentlichen CIP-Pool
und träufle unauffällig Honig in die Schlitze der Floppy
Laufwerke, als plötzlich ein Typ auftaucht, der verdammt wie Lee
Harvey Oswald aussieht, und mich über den Haufen schiesst. Aber der
Knall kommt aus dem Maschinenraum, und während ich an einer
blutbesudelten IBM Maschine zusammensacke, höre ich den
Ex-System-Manger im Hintergrund kichern...
Noch später, im Krankenwagen, wird mir klar, daß ich von dem Typen
nicht mal die Userkennung habe...
Dann wird alles dunkel.
In diesem Moment starb ich.
Für einen echten Bastard Operator from HELL sah die Sache
natürlich etwas anders aus: Mehr wie ein unerwarteter Urlaub.
Fünf Sekunden später bekomme ich 15 kV durch die Brustwarzen
gejagt. Unverdünnt und ohne Eis! (Echte Sanitäter wissen eben,
wie man eine todlangweilige Party belebt!)
DER BASTARD OPERATOR FROM HELL LEBT!
Drei Wochen später bin ich wieder auf den Beinen, hochgepäppelt
von süssen Krankenschwestern, die um ihre Pensionsansprüche
fürchten. Voller Energie sitze ich hinter meiner Konsole. Alles in
allem, gar nicht so schlecht, die Zeit im Hospital; ich könnte
Bäume ausreissen! Ich gehe rasch durch die angehäufte Usermail
der letzten Wochen (nur damit ich nichts verpasse!), dann lasse ich die
Studenten wissen, daß ich wieder auf dem Posten bin. Ein nicht
angekündigter Wartungszyklus, mitten in der Hauptübungszeit,
ich flippe den Restart-Schalter. Ein wohliges Gefühl breitet sich
in mir aus. Sie werden mich dafür lieben!
Ich blättere den Ausredenkalender um.
"TREIBHAUSEFFEKT"
JA!!! Willkommen zu Hause!
Es ist Monatsende. In Kürze werden diese ganzen unnötigen
automatischen mailing lists das Netz überschwemmen. Ich korrigiere
die Systemuhr um 7 Tage nach hinten, um mir die Performance nicht
zu versauen und wechsele das neue Druckerband gegen mein
Spezialband - drei Jahre alt, mit vielen hübschen Löchern.
Ich grabe mich durch den Stapel snail mail, der sich angehäuft hat,
und stürze mich als erstes auf das BOFH Journal "kill -9". Ein
hübscher Artikel ist dabei, wie man Windows 95 grausam langsam und
höllisch langweilig machen kann. Irgendwie schaut der Artikel aus,
wie die normale Installationsanleitung für Windows 95 ... naja, wer
weiss. Ich blättere mich durch bis zur BOFH Expertenrubrik und
schaue, ob irgendwelche Artikel von mir hineingekommen sind. Alle!!!
Sogar der über den C++ Compiler, der per Zufall Klassen umbenennt
und dies sogar im Sourcecode ändert!
Das Telephon klingelt. (Irgendwie habe ich fast darauf gewartet!)
"Mein Bildschirm ist dunkel!!!"
"Netzkabel!" sage ich.
"Nein, das hab' ich schon überprüft. Wenn ich
einschalte, passiert einfach nichts!"
"Netzkabel!" sage ich
"Nein! Das Netzkabel steckt richtig drin. Auch die
Leuchtdioden am Keyboard leuchten nicht!"
"Das Netzkabel!" sage ich.
"Oh, Moment mal. Das Kabel ist nicht richtig
eingesteckt!"
"Das Netzkabel?" frage ich.
"Ja ... Sch....."
"Macht ja nix", sage ich, "
Funktioniert jetzt alles wieder?"
"Ja, ich glaub' schon. Tut mir leid. Sie haben
natürlich recht gehabt."
"Tja, wir bekommen das häufig in letzter Zeit. Der
Grund liegt wahrscheinlich am zunehmenden Treibhauseffekt. Die globale
Erwärmung verursacht stark statistisch variierende thermale
Kontraktionen, welche wiederum temperaturinduzierte Bewegungen
hervorruft, deren Reibungsköffizienten zu Adhäsion am
Plastikteilen führen kann..."
Ich lausche aufmerksam. Nichts. Mit anderen Worten,
DUMMY MODE ON
"Sie können sich zukünftig davor
schützen, wissen Sie..."
"Wirklich? Wie denn?"
"Es reicht im Prinzip schon, eine schwach basische
Minerallösung auf die Metallkontakte aufzubringen."
"Oh!"
IRREVOCABLE DUMMY MODE ON
"Ganz einfach. Alles was Sie machen müssen, ist den
Stecker vom Gerät abziehen und eine schwach basische Salzlösung
in die Schlitze zu träufeln. Haben Sie eine schwach basische
Lösung zur Hand? So etwa pH 7?"
"Äh... nein?"
"Macht auch nichts. Stecken sie den Stecker einfach in
den Mund und lassen Sie Speichel hineinlaufen. Speichel ist schwach
basisch, und er hat Mineralsalze. ABER wischen Sie den Stecker vorher
sorgfältig sauber, wegen Keimen und so. Und, SCHALTEN SIE UM GOTTES
WILLEN VORHER DEN MONITOR AB - wir wollen doch nichts riskieren!"
"Oh. Gut!"
FZZZZT POLTER
Als der Hörer auf den Boden knallt, lege ich auf. Speicherplatz ist
viel zu gut für die!
Es gefällt mir.
Ich schnippe den Hörer von der Gabel und schliesse die Vorhänge
vordem Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin.
Würde mich nicht wundern, wenn jemand einen Unfall hätte...
Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar
der Bodenplatten, die die tiefen Kabelschächte unter dem
Rechnerraum abdecken. Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage,
daß der Mini wieder mal die Hauptsicherung geschossen hat. Dann
ersetzte ich die geschossenen Sicherungen durch ein paar Nägel und
schliesse die Versorgungsleitungen gegen Masse kurz. Auf so was kann man
nicht hoffen, man muss es MACHEN!
15 Minuten später erscheint der Techniker und fliegt in den
Kabelschacht. Ich schiebe die Bodenplatten zurück an ihren Platz,
alsder System-Manager - ein neuer, schrecklich gründlicher Typ -
hereinkommt und mir sagt, ich solle mich vorsehen. In dieser Dunkelheit
könne jemand leicht einen Unfall haben...
Ich nicke und sage ihm, daß wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich
nicht leisten können und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen
wieder einschalten soll, in der Hoffnung, daß nicht Ernsthaftes passiert
sei.Nach einiger Meditation über die Negativ-Schlagzeilen, die wir
mit jeder verstreichenden Minute anhäufen, macht er die letzte
Entscheidung seiner steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's
versuchen.
Später, nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich
die brutzelnden Reste unseres Minis. Kein sehr schöner Anblick...
"Komisch, daß die Hauptsicherungen geklemmt haben,
nicht?" sage ich zum System-Manager, während er seine
persönlichen Sachen einsammelt.
"Eine Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, daß Sie
jemand beobachtet und die ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat.
Nach all der schlechten Presse können Sie froh sein, wenn Sie einen
Job finden, in dem Sie einen Taschenrechner managen dürfen..."
Ich geh' zurück in den Kontrollraum und schalte die restlichen
Sicherungen wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der
Konsole steht:
D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6 - ein letzter Gruss des
verschollenen Technikers aus der Hölle!
Ich logge ein und beginne, User-Email zu löschen. Dabei entdecke
ich eine interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein
männliches Mitglied der Schwimm-Mannschaft. Das gibt eine
hervorragende motd ('message of the day'); deshalb kopiere ich es
dorthin. Dann ändere ich den root Account nach 'Winker' und das
Passwort nach 'ljkadlkajflkj'. Dem grossen Häuptling sage ich am
Telefon, daß ich einen Einbruch vermute. Bis wir das genauer untersucht
haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen), bleiben die anderen
Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit die motd lesen...
Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuss aus
dem Büro des Consultants hören.
Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und ändere die Nummer der
Hotline - der System Manager wird sich über all die extra
Anrufefreuen; besonders in so einer traurigen Zeit....
Ein zweiter Schuss, und mir wird klar, daß er heute wohl keine Anrufe
mehr annehmen wird.
Ich blättere den Ausredenkalender um und lege den Hörer auf
die Gabel.
"PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG".
Zu realistisch.
"STATISCHE AUFLADUNGEN".
Immer noch ein wenigzu realistisch für meinen Geschmack, aber ich
lasse es gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende
reichen.
Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe.
Ich pausiere das Video und klemm' mir den Hörer unter's Kinn.
"Ich fürchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk
gekauft."
"Tatsächlich?" Bin ich jetzt bei der
Stiftung Warentest, oder was?
"Naja, ich hab' da diese Disk und sie lässt sich
nich' formatieren. Aber alle anderen in der Schachtel gingen. Also muss
ich wohl eine schlechte erwischt haben..."
"Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?"
"Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo
kann ich einen Ersatz bekommen?"
Ah! Alles klar!
"Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, daß es an der
Disk liegt, und nicht irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?"
"Häh?"
"Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische
Elektrizität, die Sie mit ihren Fingern auf das Gerät
übertragen."
"Aber ich trage ein geerdetes Armband!"
Spätestens jetzt weiss ich, wo ich bin: im tiefen Tal der
Super-Deppen. Geerdete Armbänder gehören in unseren Kreisen
nicht gerade zum Mode-Accessoire...
"Natürlich, aber die Standard-Armbänder, wie
Sie eins tragen, haben einen 1 Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet,
eine ziemlichschlechte Erdung also. Was Sie bauchen, ist eine direkte
Erdverbindung. Am besten fassen Sie mit einer Hand an ein Gehäuse,
das richtig geerdet ist."
"Äh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?"
"Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung
abzuleiten? Zum Beispiel eine Büroklammer?"
"Moment...ja."
"Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die
Büroklammer durch die Ventilationsschlitze auf der Rückseite.
Berühren Sie einfach kurz das Ende des dicken roten Kabels. Dabei
aber NICHT den Tisch loslassen. Sie müssen immer gut geerdet
bleiben..."
raschel hantier
"Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil führt?"
"Genau, halten Sie da drauf."
"...Aber ist das nicht..."
kzzzzzt polter
Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Brieföffner
und schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das
dekorativ hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeiführt.
Yes means No and No means Yes. Delete all files [Y] ?
Ich mach' mir nämlich wirklich Sorgen über die vielen
Einbrüche ins System in letzter Zeit... Dem Systemmanager macht das
nichts aus - seltsamerweise. Er jammert immer nur über die hohe
Zahl von computerverursachten Todesfällen auf dem Campus. Die Welt
wird immer verrückter!
Ich blättere den Ausredenkalender um.
"DOPPLER EFFEKT"
Klingt so idiotisch, daß es schon wieder realistisch wird - wenn man
etwas nachhilft, natürlich.
Das Telephon, der Fluch meines Lebens, läutet.
"Hallo, Kontrollraum", sage ich hilfsbereit.
"Ist dort die Technik?" fragen sie.
Erstaunlich, wieviel stocktaube User wir haben, und warum sie dann noch
Telefonieren, statt mir eine email zu schicken. Zum Teufel, es ödet
mich schon wieder an...
"Jawohl", lüge ich (Nixon hätte noch
von mir lernen können).
"Ich hab' ein Problem mit meinen Floppy Laufwerk. Es
scheint manchmal nicht zu lesen."
"Hmm. Wie alt ist das Laufwerk?"
"Etwa ein Jahr..."
"Und es geht manchmal nicht, aber manchmal funktioniert's.
Und die Ausfälle werden immer häufiger?"
"JA, GENAU!"
"Aha, ein klarer Fall von magnetischem Dopplereffekt..."
"Ich dachte, das gibt es nur mit Licht- und
Schallwellen?"
BULLSHIT MODE ON
"Schon. Aber man hat kürzlich entdeckt, daß sich
die magnetische Bindung von Partikeln auf schnell rotierenden
Oberflächen ändern kann, vor allem wenn der Kopf relativ dazu
feststeht und ganz leicht magnetisiert."
"Ah. Oh."
"Also müssen Sie dringend den Kopf entmagnetisieren.
Haben Sie eine Floppy-Disk-Entmagnetisier-Schleife?"
"Äh ... nein?"
"Na schön. Dann müssen wir es auf die direkte
Methode probieren. Haben Sie die Orginal-Disketten Ihrer Software
greifbar?"
"Ja."
"Ok. Stecken Sie sie in Ihr Laufwerk und formatieren Sie
sie."
"WAS?!"
"Keine Sorge, es passiert nichts - das Laufwerk
funktioniert ja nicht, ok? Was passiert, ist folgendes: die unverdorbenen
magnetischen Felder auf den Orginal-Disketten überlagern die
magnetischen Störungen im Schreib-/Lesekopf, einfach weil diese
Disketten mit einem Laufwerk geschrieben wurden, das keinen
Dopplereffekt hat."
"Ah, verstehe."
"Also. Und wenn ein Schreib-Fehler gemeldet wird und das
Programm fragt, ob es weitermachen soll, tippen Sie ein 'yes'. Machen
Sie das mit allen Orginal-Disketten, die Sie finden können - je
mehr, desto besser. Dann lassen Sie eine normale Reinigungsdiskette
durchlaufen. Die entfernt dann die freien magnetischen Partikel, die
noch auf dem Kopf kleben."
"Oh. Ok, vielen Dank."
"Keine Ursache - ICH MACH' NUR MEINEN JOB."
Ich lege auf, und sofort läutet es wieder. Es ist der Boss.
"Simon, könnten Sie mal in mein Büro
kommen?"
ALARM ROT
So schnell ich kann, drücke ich den Panik-Knopf am LAN-Analyser,
genauer gesagt, den 'Generiere-90%-Zufallspakete-Knopf'.
"Aber sicher. Soll ich gleich kommen oder..."
Das andere Telephon läutet. Ich klemme es mir unters Kinn.
"Hallo, Computer Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie
kann ich Ihnen helfen?"
"DAS NETZ IST WEG. ALLE UNSERE PCs HÄNGEN!"
kreischt die Stimme aus dem einen Telefon ins Mikrophon des anderen.
"Aha", sage ich ruhig und souverän.
"Ja, ich kann's auf unserem Monitor sehen. Schaut aus
wie ein schlechtes Thinwire-Segment -warten Sie, ich versuche, es
rauszunehmen."
Ich drücke den 'Beförderungsknopf' (AKA 'Stop Traffic
Generation') am LAN-Analyser, und fast sofort schreit der User:
"Phantastisch. Es geht alles wieder. Danke."
"Keine Ursache. Schönen Tag auch."
Der Boss hat alles mitgehört. Also, schätze ich, wird der
Besuch bei ihm nicht allzu schlimm ausfallen. Ich sage ihm, daß ich
sofort runter komme, sobald ich das Netz wieder stabil habe, und lege
auf. Auf dem Weg nach unten erfinde ich ein neues Blendwort - das macht
das Management immer glücklich. 'Vollständige
Übertragungstrennung'. Klingt viel besser, als'Stecker-Ziehen'.
Wie 'Master-Reset' besser klingt als 'Ausschalten'.
Ich komme in sein Büro und der Personal-Chef ist auch da. Ah-oh.
"Simon, hätten Sie Lust unser System-Manager zu
werden?"
?!!!
"Äh...ich weiss nicht. Eigentlich mach' ich
lieber..."
"Zehn Tausender extra im Jahr, Porsche als
Firmenwagen..."
"Roter Carrera Cabrio?"
"Ok."
"Gebongt!"